Kleinere Produktion, höhere Qualität

GEWINNER

Mit den Sportschuhen PROALP in den Himalaja

In der heimischen Werkstatt im idyllischen Dörfchen Lom pod Storžičem bei Tržič entwickelt und modelliert Matej Slapar,  Schuhe der Marke POLO für den täglichen Bedarf und seit zwei Jahren noch die  sportlichen Wanderschuhe PROALP. Bei der Herstellung ist er an Naturmaterialien und Kooperanten aus der heimischen Gegend gebunden.

Schon an der Türschwelle empfängt er mich mit einem Lachen, selbstverständliche trägt er ein Paar bequeme und farbige, sofort erkennbare PROALP Wanderschuhe. Neue Schuhmodelle, die Matej Slapar in seinem Handwerk entwickelt, testen alle Familienmitglieder, besonders der mittlere Sohn, der Alpinist und zugleich der beste Kommentator der väterlichen Schuhe ist. „ Am allerwichtigsten sind die Leisten, die Form, auf dem der Schuh aufgebaut wird, sowohl formgebend als auch funktional. Sobald die Leisten gestaltet sind, so dass sie bequem sind und auch gut aussehen, bestimmen wir die Sohle. Erst dann kombinieren wir die Oberteile und entwickeln das Design, “ beschreibt er die Entwicklungsphase des Prototyps der Schuhe.

Eigene Schuhherstellung

„ Ich wusste, dass die Entwicklung allein nicht genug ist. Deshalb habe ich parallel dazu eine kleine heimische Herstellung entwickelt, in welcher wir die Endprodukte gefertigt und auch selbst getestet haben, bevor wir diese an unsere Auftraggeber weitergeleitet haben. Auf diese Weise war es wesentlich  lebensnäher und den tatsächlichen Bedürfnissen des Endnutzers angepasst.“ Diese Strategie hat sich als richtig erwiesen, vor allem in den letzten 10 Jahren, als der Markt aufgrund der Verlegung der Produktion nach China einzustürzen begann. „ Es gab immer weniger Aufträge für unsere Entwicklung, folglich haben wir die eigene Produktion erhöht. Wir verfügten ja über ausreichende Kenntnisse und reiche Erfahrungen, sowie über eine ausgestattete heimische Werkstatt. Viele Maschinen haben wir in Italien gekauft, als die Unternehmen modernisiert haben oder ihre Produktion eingestellt haben. Von Peko zum Beispiel haben wir das komplette „Flex-Programm“ abgekauft und einige Zeit auch für Peko gearbeitet, “ berichtet Slapar.

Orientierung auf Naturmaterialien

Die Namensgebung des Unternehmens RO&SA trägt in sich nicht nur die Namen der beiden Partner, sondern drückt auch Sanftheit und Naturverbundenheit aus. „ Bei der Schuhherstellung verarbeiten wir in höchstmöglichem Maß Naturmaterialien.“ Häusliche „Bioschuhe“, wie zum Beispiel Pantoffeln und Pantoletten fertigen sie aus Wolle und Filz, die Einlagen sind aus Jute, Latex und Kork. Bei den Markenschuhen POLO, die schon seit fast 15 Jahren auf dem Markt vertreten sind, werden für die Oberteile Kalbs, Rinds- oder Schafsleder verarbeitet, das Innenfutter wird ebenso aus Leder gefertigt, bei Winterschuhen wird Wolle oder Filz, teilweise auch warmes Fell als Innenfutter verwendet. Rund 1500 Paare der Markenschuhe POLO fertigen sie pro Jahr an. Der Name POLO trägt in sich den Namen zweier Orte: Podljubelj und Lom , wo die Geschäftspartner zu Hause sind.

Die Schuhe PROALP für Wanderungen und Hochgebirge

Das Leben direkt unterhalb des Berges Storžič, mit dem Blick auf den Gipfel und die eigenen Erfahrungen beim Wandern und Alpinismus haben Slapar dazu gebracht Wanderschuhe der eigenen Marke zu entwickeln. „ Hinsichtlich dessen, dass wir bei der Entwicklung der Schuhe einer bekannten italienischen Marke mitgearbeitet haben und wir selber auch große Träger von Bergsteigerschuhen sind, war es die logische Schlussfolgerung, dass  wir uns der Entwicklung in der heimischen Werkstatt widmen, “ berichtet Slapar, der  2011 die Marke PROALP registrieren ließ.

„ Die Entwicklung von Wanderschuhen ist eine sehr komplexe Angelegenheit. Man muss sehr aufmerksam sein hinsichtlich der Breite, des Volumens, der Materialien und des Gewichtes der Schuhe. Bis wir das erste Paar Wanderschuhe der Marke PROALP auf den Markt brachten ist ein ganzes Jahr vergangen. In dieser Zeit haben alle drei Söhne und ich, sowie einige Alpinisten aus Tržič  und andere erfahrene Bergsteiger mindestens fünf Prototypen getestet. Erst nachdem wir Reaktionen verschiedener Menschen gesammelt haben, denn die Füße eines jeden Menschen unterscheiden sich, und schließlich die optimalste Schuhform entwickelt hatten, haben wir die Schuhe für den Markt gefertigt.“ Innerhalb von zwei Jahren haben sie rund tausend Paar PROALP-Schuhe gefertigt. Diese gibt es jetzt als niedrige und halbhohe Variante der „Bergschuhe“, die den Knöchel schützt und auch für das Hochgebirge geeignet ist. „Unsere Schuhe PROALP werden von vielen getragen. Mit unseren Schuhen haben wir einige alpinistische Abschnitte und Wandervereine ausgestattet, wir sind auch in den Almhütten der Umgebung vertreten. Am höchsten waren unsere Schuhe beim Trecking auf dem Himalaya. Ein anerkannter Läufer ist mit ihnen um den Mont Blanc gelaufen. Unser mittlerer Sohn bereitet sich mit besonders angepassten Schuhen für den Aufstieg auf den Eiger vor, “ so werden die Schuhe PROALP noch mehr Bergliebhaber  -potenzielle Nutzer - sehen.

Gutes Klima in den Schuhen

Der Leitfaden der Schuhherstellung von Slapar lautet: „ Bequemlichkeit an erster Stelle“. „ wir wollen ein gutes Klima in den Schuhen schaffen. Nach unseren Erfahrungen ist dies mit künstlichen Membranen, wie zum Beispiel Gore-Tex nicht möglich, denn sie lassen nicht ausreichend Feuchtigkeit aus dem Schuh heraus. Deshalb schwitzen die Füße darin. Wir verarbeiten stattdessen hydrofobiertes, das ist eingeschmiertes, wasserabweisendes Leder, dazwischen füttern wir mit Filz, der ein guter Isolator ist. Die Schuhe sind bis zu vier Stunden wasserdicht. Zwar benötigt Leder etwas mehr Pflege mit Kreme, damit es die wasserabweisende Eigenschaft behält, vor allem aber bleiben die Füße in den Schuhen angenehm trocken, den Leder atmet, “ erklärt Slapar seinen Leitfaden. Winterwanderschuhe  schützen sie noch zusätzlich mit Gummi, damit die Kontaktstellen zwischen der Sohle und dem Oberteil des Schuhes nicht durchweichen.

Mit der Gebietshandwerkskammer Tržič zum Schustersonntag

Das Unternehmen Slapar RO&SA beteiligt sich als Mitglied der Gebietshandwerkskammer Tržič auch an Gelegenheitsmessen/-märkten. „Im Rahmen der Gebietshandwerkskammer Tržič stellen wir uns mit unseren Produkten auch auf dem traditionellen  Schustersonntag vor. Dies ist für uns, für die Handwerker und den ganzen Ort ein großes Ereignis. Dann kommen rund 50 tausend Besucher aus Slowenien und den Grenzgebieten  nach Tržič und lernen unser Schuhmacherhandwerk kennen. Unter der Obhut der Gebietshandwerkskammer Tržič haben wir auch auf der Schuhausstellung und der Herbstmesse in Klagenfurt ausgestellt. Ich bin der Ansicht, dass die Gebietshandwerkskammer Tržič die einzelnen Schuhhersteller gut miteinander verbindet. “ Slapar ist auch als Gemeinderatsmitglied aktiv und leitet den Wirtschaftsausschuss des Gemeinderates. „ Im Augenblick entwickeln wir ein Projekt der Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde Tržič und der Gebietshandwerkskammer Tržič, und zwar setzen wir uns dafür ein, dass an öffentlichen Plätzen, die im Eigentum der Gemeinde sind, Werbetafeln aufgestellt werden, auf denen die Unternehmer – die Mitglieder  der Gebietshandwerkskammer Tržič zu unternehmerfreundlichen, nicht marktorientierten Tarifen werben können.“

Die Kooperation

„So mancher glaubt, dass mit Peko auch das Schuhmacherhandwerk in Tržič erlöschen ist. Dem ist nicht so. Herausragende Schuhmachermeister hat es in Tržič schon gegeben bevor Peter Kozina diese im Unternehmen Peko miteinander verbunden hat und diese gibt es auch heute noch. Intern befassen wir uns mit der Entwicklung und dem Design, bei den Endprodukten arbeiten wir mit mindestens zehn Kooperanten zusammen. Einige modellieren, andere nähen. Wir arbeiten gut zusammen. Dabei orientieren wir uns am italienischen Model der Zusammenarbeit verschiedenster spezialisierter Unternehmen, die alle eigenständig arbeiten.“ Er erzählt ganz offen, dass man mit der Arbeit zwar überleben kann, doch jemanden zu beschäftigen getraut er sich nicht, da dies eine zu große Belastung für das Unternehmen ist. Außerdem ist er sehr oft geschäftlich unterwegs und es gibt niemanden, dem er die Produktion vollkommen anvertrauen könnte. Im Stillen hofft er darauf, dass einer seiner Söhne sich das Schuhmacherhandwerk aneignet, denn eine Schuhmacherschule gibt es nicht mehr.

Mit Freude stellt Slapar fest: „ immer mehr Menschen achten darauf, dass es Qualitätsschuhe sind, aus erprobten Naturmaterialien und in Slowenien, und nicht in China, hergestellt werden. Auch Italiener sind „Lokalpatrioten“ und kaufen ihre Marke.“ Die Markenschuhe POLO und PROALP werden im Zentrum Primskovo in Kranj im Rahmen des „Domače vasi“- Heimatdorfes verkauft, in welchem nur heimische Hersteller ihre Produkte anbieten. Die Käufer können diese Markenschuhe auch noch im Geschäft Peter Pan in Murgla und in Škofja Loka, in einzelnen Privatgeschäften in Medvode und in Parmova in Ljubljana, im Unternehmen Gornik finden, Schuhe des sogenannten „Komfort“ – Programms wird am Besten in den Verkaufsstellen  der Kette Sanolabor verkauft. Einzelne Modele kann man auch Jenseits der Grenze im österreichischen Ferlach, dem ehemaligen slowenischen Borovlje kaufen. „ Die Einheimischen besuchen uns direkt in unserer heimischen Werkstatt, wo sie neben dem bestehenden Angebot, dass auch halbe Größen umfasst, auch die Füße vermessen lassen können und wir Ihnen maßgeschneiderte Schuhe anfertigen.

Kleinere Produktion, höhere Qualität

Slapar bleibt absichtlich bei einer kleineren Produktion. „Größere Handelsketten haben eine zu hohe Provision. Schon der Materialpreis und der Arbeitslohn ist hoch, aber bei solchen hohen Provisionen wäre der Endpreis für den Kunden zu hoch und die Schuhe würden nicht gekauft werden. In letzter Zeit orientieren wir uns auf den eigenen Verkauf, denn so bleibt am Ende noch das Meiste übrig. Um über größere Geschäfte zu verkaufen, müssten wir schlechtere Materialien und niedrige Qualität akzeptieren. Am Ende wäre es auch nur dieselbe industrielle Produktion. Aber genau das wollen wir eben nicht. Wir möchten die hohe Qualität und die Handfertigung der Schuhe beibehalten, den das ist das Beste sowohl für den Kunden als auch für uns, “ ist Slapar entschlossen. Zugleich ist er sich aber auch bewusst, dass eine stetige Weiterentwicklung unumgänglich ist.

„Der Markt verlangt ständig nach neuen Sachen.“ Die Markenschuhe POLO haben mit ihrer Farbenpracht vor allem die jüngere Generation überzeugt. „ Wir spielen mit den Farben. Die Farben geben den Schuhen Energie, so dass die Menschen sie lieber tragen und sich in ihnen wohlfühlen. Wir fertigen Schuhe für den Alltag, der Stil der Schuhe POLO ist sportlich-elegant. Wir sorgen für ein attraktives Design. Wir besuchen viele Fachmessen, wie zum Beispiel in Bologna und Milano, und beobachten so die neuesten Modetendenzen. Dennoch wollen wir uns nicht allzu sehr an den Modetrends orientieren, denn wir folgen unserer eigenen Linie. Wir haben ausreichende Kenntnisse, sowohl in technischer Hinsicht als auch in Design betreffend, so dass wir ohne Schwierigkeiten neue Produkte entwickeln können.“

 Neue Modelle im Jahr 2014

Alle drei Söhne – 23, 21 und 16 Jahre – tragen mit Freude die bequemen und modernen Schuhe aus väterlicher Hand. „ Sportschuhe sind ihnen auf den Leib geschnitten, denn sie sind aus gutem Material und auch schick. Unsere Söhne helfen beim Verkauf an unserem Stand im „Heimatdorf“ in Kranj, wo sie die Kunden beraten, Füße messen und fachgerecht erläutern welche Schuhe geeignet sind, “ erzählt er stolz über die Tatsache, dass er die Fachkenntnisse und das Interesse am Schuhmacherhandwerk an die Söhne weitergibt. „ Überwiegend tragen wir Schuhe aus eigener heimischer Produktion, nur meine Frau muss sich hin und wieder ein paar Pumps mit Absatz dazukaufen, “ scherzt Slapar fröhlich, „ wir haben einfach keine Zeit uns noch mit anderen Modellen zu befassen. Für das Jahr 2014 bereiten wir einige neue Modelle der Schuhe POLO und drei neue Modelle der Schuhe PROALP vor, unter anderem auch hochalpine Bergsteigerschuhe für automatische Steigeisen, “ enthüllt er einige Pläne für das laufende Jahr.

 „Ich wünsche mir noch mehr Zusammenarbeit mit vertrauenswürdigen Kooperanten aus der näheren Umgebung, sowie eine stärkere Anwesenheit auf den näheren Absatzmärkten Italien, Österreich und Deutschland. Eine Erhöhung unsere Produktion an sich beabsichtigen wir zurzeit noch nicht, denn in dieser ungewissen Zeit  und mit unregelmäßigen Zahlungen bringt das nur weitere Sorgen mit sich.“ Ein Teil der Geschäftstätigkeit befasst sich noch immer mit der Entwicklung  für die Geschäftspartner aus Italien, Skandinavien und Serbien.

„Als ich mich selbstständig gemacht habe, habe ich meine Italienisch- und Deutschkenntnisse vervollständigt. Wenn du dich normal in deinem Fachgebiet weiterentwickeln möchtest, scheint es mir weitaus wichtiger als ein abgeschlossenes Studium, dass man gefestigte Sprachkenntnisse hat. Nur so kannst du besser Kontakte knüpfen und du erhältst andere Informationen, die du ansonsten nicht bekommen würdest, “ betont Slapar noch, der für ständige Weiterbildung, sowie Kontakte zu Lieferanten und Herstellern  auch über Messebesuche sorgt. „Wenn sich etwas Neues zeigt, so folgen wir dem. Vor kurzem bin ich aus Italien zurückgekommen, wo ich eine neue Herstellung von Sohlen mit dem Zusatz von Polyurethan-Schaum zur Vermeidung des Abwälzens des Fußes kennengelernt habe; dies werden wir auch versuchen zu verwenden.“

Auf die Frage ob sich die Investition in die Entwicklung der Schuhe PROALP schon bezahlt gemacht hat, überlegt er, dass er bisher noch nie eine Ausrechnung vorgenommen hat, denn hierbei geht es um einen unaufhörlichen Prozess. „ In neue Modelle investieren wir sehr viel Arbeit und Zeit. Wenn wir das nicht mit Freude tun würden und uns innerhalb der Familie nicht auch mit dem Wandern beschäftigen und die Prototypen  der Modelle tragen würden, so würden wir die Entwicklung vermutlich nicht finanzieren können, “ schließt Slapar.